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Donnerstag, 3. Mai 2012

Allein unter Lebenden

Denn zu dieser Zeit vibrierte alle Welt und jedermann war ein Vesuv und die Eruptionen der menschlichen Vulkane spuckten Leben um sich; einzig sie rang begraben unter der Asche und dem Staub nach Atem.
Da gab es die roten Wilden, die sich im psychedelischen Strudel ihres durch bunte Substanzen aufgewühlten Bluts und der kreischenden Musik unterlegt mit feisten Bässen im Tanze drehten und sich ganz vergaßen. Aus zwielichtigen Etablissements konnte man ihre grellen Rufe hören, ekstatisch immer engere Kreise ziehend, immer schneller und lauter hetzend.
Wieder andere suchten die Weite. Sie sahen die Welt mit den von Zeit ungetrübten Augen der Jugend, die viel auf ihre großen Hoffnungen und ihren idealisierten Hass auf das System- welches ist, wie die Geschichte zeigt, nicht von Belang, da es sich schlicht immer um das Vorhandene handelt- und letztlich die sogenannte Freiheit hielten. Diese war ihnen das höchste und einzig erstrebenswerte Gut und sie fanden es sich in den fernen Ländern der Erde zwischen fremden Sprachen und Landschaften.
Die nächsten taten sich durch ihren Intellekt oder ihr Talent hervor, an das sie sich klammerten und es bereitete ihnen rote Teppiche auf allen Wegen, die nach oben führen und keine Türen blieben verschlossen, sodass sie in dem Wissen wandelten, am Ende der Leiter vom goldenen Balkon dem Pöbel zu winken. Und einige waren schlicht so schön, dass ihre Umwelt nicht umhin konnte, sie über alles zu erheben, sodass deren Lebenssinn in sich selbst und der Leichtigkeit zu finden war.
Manche wenige hatten sogar das Glück durch die Freuden von Liebe und Freundschaft Kraft zu finden, doch Gefühle sind ein windiges Geschäft. Spontanität verhalf solchen, Religion jenen anderen, Wut den letzten zu einem Gegenstand, um den sich ihre Gedanken winden konnten, sodass sie einen Grund zur Detonation fanden.
Sie alle jedoch waren in ihrer Diversität begnadet, weil sie ihre persönliche Existenz von etwas Allgemeinem, das alle besaßen, zu etwas Eigenem machten, indem sie es erfüllten mit dem einen, von dem sie glaubten, dass es sie satt mache oder zumindest meinten sie dadurch, der unstillbaren Gier nach Leben, dem ewigen Hunger entfliehen zu können. Ganz gleich, ob es nun Vergnügungswut, Ideale oder Ehrgeiz waren, die ehrbaren- und naiven- Hoffnungen oder der Hände und Geister ehrliche- und ermüdende- Arbeit; sie hatten ihre Mittel, die peitschende Sehnsucht zu bezwingen. Und sie nutzen, war jenes diffuse Gewirr, das man mit dem seltsamen Wort Leben bekleidet.
Auf gewisse Weise waren nämlich all diese Menschen geeint durch die Arroganz des Lebendig-Seins, durch ihre explosive Sprengkraft. Selbst jene, deren Gemüter lediglich zu einfach gemacht waren, um zu erkennen, wie sich um sie her eins in das andere fügte und das dritte erlosch, waren doch glücklich, weil man „sich halt so durchschlägt“. Selbst der Alltag konnte das heilige Elixier des Lebendigen sein.
Allein sie, die unter der Asche wühlte und nach Luft ächzte, die genau wie die anderen die Sucht in sich hatte, die alle Welt von Geburt an verpestet und sie einmal taub, einmal rasend macht, allein sie gehörte trotzdem nicht zu den Lebendigen. Denn sie kannte keinen Weg und ihre Existenz war still und antriebslos, weil sie voller Gedanken und Wünsche war, und dennoch ohne Taten blieb. Denn in solchen, die keine Spur halten können und immer ausweichen in weitläufige Wüsten aus Liebe, die aber niemals zur Passion reicht, wächst der Druck des heißen Magmas nicht genug, auf dass sie ihr Innerstes und all ihr Gut nicht nach außen tragen können. Ihr Vulkanenschlund bleibt stumm und speit das Wichtige im Inneren nicht aus, sodass ihr Leben, was es nicht ist, weil es nicht aus Handlungen besteht, einer zersprengten Suche gleicht. Ihr Geheimnis findet keinen Ausdruck.
von Darleen Schitkowsky

Blicke in den Spiegel

Träumst Du?
Hättest nicht gedacht
Das was in Dir wacht
Schon längst vergangen ist

Hoffst Du?
Alles was Dich ausgemacht
Mit kunst neu entfacht
Und wieder aufgefrischst
Dein altes ich vom tisch

Glaubst Du?
Niemand wird's entdecken
Wird Dich begrüßen, wie in alten zeiten
Weil dein aussehen ewig walt

Merkst Du nicht?
Alles hat sich nun geändert
Niemand bleibt, wer er mal war
Alle schönheit, jugend ist vergänglich
So wie heut, so vor tausend jahr

Schwärze

Nun bricht sie an, die Zeit,
Die noch nie gekommen wart
Und streckt sich nach allem,
Keinem bleibt es erspart

Mit gierigem Lächeln schlingt sie,
Kostet von Furcht, von Hass, von Liebe
Und treibt sie in die Flucht,
Weiter in unbekannte Ziele

Wenn diese zeit gekommen ist,
So fällt das letzte Blatt
Und lässt sich leise nieder
Auf das tränennasse Grab

Unbenannt

Wenn Du lachst, dann gefriert die Sonne. Und wenn Du gehst, geh ich mit Dir. Doch wenn Du bleibst, sind wir allein. Wirst Du Dich jemals ändern?
Mich hast Du verändert. Dein Hände fühlen nicht und Deine Augen sind zu alt zu sehen. Es gibt nichts, das sie noch nicht erblickten. Ich habe keine Angst vor Dir. Denn Du bist der Anfang und das Ende. Dein Geheimnis schenkt uns Leben. Berühr mich jetzt. Nimm mir den Schmerz. Ich glaube nur. Nichts kann mich noch schrecken, denn Mutter Erde spürt keine Furcht. Dein Arm ist stark und sicher.
Aus Dir entsteht die Wirklichkeit. Dein Atem ist der Sinn. Ein Hauch von Dir erlischt das Feuer und dennoch braucht Er Dich.
Die Zeit, das Licht und Du. Ihr seid's. Wer wollte euch ergründen? Schenk mir den Moment und gib mir Deinen Mantel, denn ich will nicht frieren müssen. Du kommst nie zu spät. Die Wahrheit ist die Uhr nach der Du lebst. Berühr mich jetzt. Ich lächle dir entgegen. Und wenn Du gehst, geh ich mit Dir.
von Darleen Schitkowsky

Tödlich geliebt

Du siehst ihn,
Er sieht zurück,
Streckt die Hand aus,
Nimmt dir dein Glück,
Dein Leben
Alles wofür du warst,
Dein Streben

Du siehst ihn,
Er sieht zurück,
Schenkt dir ein Lächeln,
Zieht dich ein Stück,
Viel tiefer hinab
In das Dunkel hinein,
Bis in dein Grab

Du siehst ihn,
Er sieht zurück,
Spendiert dir ein Kuss,
Ist von dir entzückt,
Von deiner Stille
Denn ewiglich schläfst du,
Mit seinem Wille

Schuld

Ihr Leid trägt eure Handschrift,
Auch wenn ihr es nicht wisst.
Saht ihr in ihre Augen
Nur einen Augenblick?
Ihr Blick so tot und kalt,
Schneeweiß wie ihre Haut.
Habt ihr ihr Blut berührt?
Klebt es an euren Fingern?
Und alle ihre Narben,
Kanntet ihr den Grund?

Sie lag schon dort,
Als man sie fand,
So klein und so verloren
Schwebte ihre Seele
Noch irgendwo im Raum,
Hielt Wache über ihrem Körper
Leblos, roh und taub?
Werdet ihr vergessen,
Dass es sie mal gab?
Dass es sie noch gibt
Irgendwo da draußen?
Die Schwärze ließ sie hier.
Hat sie euch gefunden,
Den Weg in eure Herzen?
Tragt ihr das Stigma dieser Schuld?

Die Welt wird sich drehen
Jetzt und jeden Tag.
Täglich kommt und geht ein Mensch.
Ich frage euch nach Menschlichkeit.
Fragt euch selbst danach.
Ihr Leid trägt eure Handschrift,
Auch wenn ihr es nicht wollt.
von Darleen Schikowsky

Unbenannt

Vergangene Stunden rinnen herab,
Tropfen leise auf Dein Grab,
Zerreißen die Schranken des ewigen Seins,
Lassen Dich wanken in Trug und Schein.
Trunken, berauscht hat die Zeit Dich gemacht,
Flüchtig und windig, düster die Nacht,
Die Lichter, sie ziehen und schwimmen davon,
Doch Du- Du bist längst angekommen.
Kein Weg mehr zu gehen, kein letztes Wort,
Die Stille um Dich schreit Fort!, Fort!, Fort!
von Darleen Schitkowsky