Donnerstag, 3. Mai 2012

Träume

Einst hatte ich einen Traum: Ich stand vor meinem Körper, dass wir mir gewiss, doch sah dieser nicht aus, wie er es tun sollte. Keine Haut oder gar ein Gesicht war zu erkennen. Es war eine weiße Gestalt, plastisch, so als ob man sich das Bild von einer Styroporpuppe vorstellt. Sie besaß keine besonderen Formen, die Figur war absoluter durchschnitt und hätte sich an jede Kurve anpassen können. Doch eine Auffälligkeit besaß sie: Ihre Schädeldecke war glatt abgeschnitten worden. Knapp über den Augen, die keinerlei Farbe oder Fasson aufwiesen, war eine ebene Oberfläche, die den ganzen Bereich, in dem sich normalerweise das Gehirn befand, unterschlug.
Doch dies alles hieß nicht, dass die Gestalt nicht im Stande war ihr Gefühle zum Ausdruck zu bringen: Sie besaß einen Mund, der sich in alle erdenklichen Himmelsrichtungen strecken und dehnen konnte, um ihren Kummer, Wut und Enttäuschung herzu zeigen.
Nun kam mir die Frage, wie ich gleichzeitig vor meinem Körper stehen und ihn dennoch ansehen konnte, als ich zu der Erkenntnis gelangte, dass ich noch immer ich war, nur mein Inneres frei zu schweben vermochte. Mein Aussehen, meine Gefühle und mein Denken schienen also meinen Geist zu Umfassen. Alles konnte ich tun wie gehabt: Ich konnte sehen, fühlen, schmecken, riechen, hören, auch wenn ich all dies in meinem Traume nicht brauchte.
Mein Körper schien zu wissen, dass ich direkt vor ihm stand und er winkte mich zu ihm, als wolle er mich bei sich zurück haben. Aber ich schüttelte den Kopf, auch wenn zu jener Zeit ja keinen besaß, ich wollte nicht zurück in diese Gestalt. Eine Freiheit, wie ich sie nie zuvor erspürte, nahm mich vollkommen ein und entwickelte die jähe Abneigung, gegen das Wiedereindringen in meinen Körper.
Jedoch ließ mein Körper mich nicht ruhen und streckte den Arm aus, um an mir zu zerren. Ich weiß nicht, wie ich es tat, aber ich wehrte mich gegen ihn und anfangs gelang es mir auch. Dann jedoch siegte mein Körper und ich erlangte alle meine vorigen Fähigkeiten zurück, was die Bewegung und das Halten von Gegenständen mit einschloss.
Nun sah ich einen Spiegel vor mir, er zeigt meinen Kopf, der nun wieder vollendet war, und ein Teil meines Halses. Mein rechter Arm streckte sich in die Höhe und formte mit den Finger ein Lauf einer Pistole. Diese hielt ich mir an den Kopf und wollte abdrücken. Bevor dies jedoch geschehen konnte, schlug meine Linke nach der Rechten und zwang sie aus meinem Sichtfeld. Es wiederholte sich ein paar mal, bis schließlich ich eine echt Pistole in meiner Rechten hielt. An meine Schläfe gerichtet wollte ich abermals abdrücken, doch auch diesmal kam mir meine linke Hand zuvor und riss den Lauf nieder.
Ich drückte nicht ab und der Traum zerplatzte.

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