Donnerstag, 3. Mai 2012

Unbenannt

Ein Strom aus Zeit zieht mich. Zieht mich weit fort von mir. Ich tauche ein in meine Vergangenheit. Vergangenheit?
Wo war der Atemzug den ich gerade nahm?
Vorbei. Vorbei wie all das vergangene meines Lebens. Ich denke nicht zurück, doch Bilder kommen ungefragt. Morgen bereut man schon das, was man gerade sagt.
Menschen rennen gegen Wände, suchen nach der Tür. Wie Gefangene rennen und hasten wir.
Wer weiß noch wohin? Wer hat ihn noch nicht verloren, den Überblick? Überblick? Worüber, was gibt es zu überblicken? Leben ist vielfältig. Es überschreiten sich die Ströme der Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart.
Immer und immer wieder willst du bergreifen, willst du verstehen. Doch hat man es begriffen, dass es nichts zu begreifen gibt, ist es zu spät. Wer will noch wissen, wenn das Wissen grausam ist.
Lauft Menschen, lauft davon vor euch. Die Zeit, eure Erfindung hat euch überholt. Das letzte bisschen Zukunft wurde zerstört, zerstört von eurer Vergangenheit. Und die Gegenwart? Die Gegenwart ist längst vergessen.
Darum lauft davon, ihr könnt euch nicht tragen. Schmerzen zerreißen eure Lunge. Schmerzen denen ihr selbst Namen gabt. Namen und Raum.
Es gibt kein Zurück in einer fortschrittlichen Gesellschaft. Wohin schreitet sie nur? Warum scheint das jeder zu wissen, warum weiß ich es nicht mehr?
Hab ich es je gewusst?
Nein ich war wohl wie der Rest der Gesellschaft zu sehr damit beschäftigt Wissen vorzugeben. Und jetzt?
Jetzt sitze ich hier und merke wie mich ein Strom aus Zeit zieht. Zieht mich weit fort von mir. Und ich tauche ein in meine Vergangenheit. Vergangenheit?
von Sunniva Zelia

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