Donnerstag, 3. Mai 2012

Unbenannt

Sie erhellte den ganzen Raum. Es war nicht so, dass sie das Licht reflektierte, nein. Sie war das Licht. Ein ungeheurer Schein drang aus ihr heraus. Der Schimmer lag auf ihrem goldenen Engelshaar, auf ihrer Haut, auf den Lippen, in jeder ihrer Gesten. Was sie berührte, wurde heilig. Alles an ihr war hell. Einen ihrer Strahlen auf sich ruhen zu spüren, wurde unmittelbar zu einem teifen, inneren Verlangen. Ihr Zauber lag in der Luft, die sie atmete. Den Blick von ihren zarten Zügen abzuwenden, glich einem unerträglichen Verlust, denn ihre Augen waren der Himmel, getaucht in sanftes Blau, umringt von einem güldene Wimpernkranz; mit jedem Lidschlag brachte sie die Welt zum Erzittern, Jungfrauen zum Eröten und trieb jeden Mann in den Wahnsinn. Ein jeder wollte sie berühren. Ein jeder wollte sie besitzen. Den herbsüßen Goldschatz, das Blitzen ihres Augensterns, das Beben ihres Mundes. Einzig ihre Unschuld zu stehlen, wäre ein Verbrechen an der Menschheit. Ach, sie malen können! Sie einfangen, um jeden Moment ihrer Anmut zu huldigen. Dem gleichmäßigen Fluss, dem Glanz ihres Haares. Ihrem königlichen Profil, dem edlen Schwung, der Einheit ihres Antlitz, ihrer Brauen.Ihre noble Haut, so hell, so weiß, wie weicher Sand am Meer, so klar, so rein. So erstrebenswert, berührenswert. Ach, sie malen können! Doch kein Rahmen dieser Welt könnte sie erreichen, selbst pures Gold wäre doch ein Makel, bedrückte ihre Schönheit. Welche Sehnsucht sie im Herzen schuf, wenn sie sich bewegte. Jeder Atemzug, der ihre Brust emporhob. Ihre schlanke Gestalt, die sich katzengleich bewegte, schwebte. Wie eine Elfe. Verstecktes Raubtier raubst mir den Verstand. Wenn sie die Arme hob, wie Strahlen der Sonne sie umkreisen ließ, wenn sie sich im Tanze drehte. Die Hand um ihre Taille legte, die Skulptur ihres Korpus, die Wellen ihrer Weiblichkeit. Wie langsam ihr Schwanenhals in ihren schmalen Rücken überging und die Linie tiefer wanderte, hinab, noch weiter, hinein in einen Ozean aus Fantasien... Die Silhouette ihres Körpersaus Elfenbein geschnitzt, direkt aus Gottes Hand zu den Freuden und Leiden der Welt gegeben. Ach, sie in Marmor meißeln! Für die Ewigkeit beschützt. Nun, da sie mit ihren kleinen Fingern suchte, sie krümmte, als seien sie winzige Lebensformen, auf eine Weise surreal. Ihre perfekten Hände drehte und wendete, da offenbahrte sie in dieser Bewegung die ganze Herrlichkeit ihres Wesens. Wie ein ungebändigtes, doch wunderschönes Tier. Frei und unbeschwert und so völlig selbstvergessen. Die Liebkosung ihrer weichen, rosafarbenen Lippen, voll und froh. Der Wunsch im Herzen, der wuchs mit jeder Sekunde, die man ihre Vollkommenheit betrachtete, ein wenig ihres Sein zu erhalten, durch ihren Kuss erhellt zu werden. Ihre Luft zu atmen. Ihren Lebenshauch zu spüren und die Grazie ihrer Schönheit. Sei es nur ein Augenblick solch heiliger Verschmelzung. Flüchtig wie ein Frühlingswind, der lau die Natur belebt.
Aber sie blieb nicht still. Sie handelte. Und obgleichder Raum allein durch irh Dasein ein Zimmer voll Bernstein und Rubinen war, brach sie ihren eignen Bann. Ein Verbrechen an der Menschheit, einzig sie selbst stahl ihre Unschuld und die Ehre ihrer Existenz so schwach gemacht durch Hochmut. Durch ihr Lachen, das aller Reinheit, allen Lichts entbehrte. Welch schwerwiegender Fehler der Natur: Ein solch hohes Menschenkind, eine Frau an Klarheit, Anmut nicht zu übertreffen mit solch mittlerem Charakter auszustatten.
von Darleen Schitkowsky

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